Wann und warum sollte man eine Berstscheibe und ein Sicherheitsventil in Reihe schalten?

2026-05-27

Bei der industriellen Prozesssicherheit müssen Ingenieure ständig zwei widersprüchliche Ziele in Einklang bringen: die Erreichung einer 100% leckagefreien Abdichtung zum Schutz der Umwelt und gleichzeitig die Aufrechterhaltung der Fähigkeit, das System nach einem Überdruckereignis wieder zu schließen, um massive Produktverluste zu verhindern.

 

Eine Berstscheibe bietet zwar absolute Dichtheit, wird aber beim Öffnen zerstört. Ein Druckbegrenzungsventil (PRV) kann sich wieder schließen, ist jedoch anfällig für Mikroleckagen und chemische Korrosion. Die optimale technische Lösung – allgemein anerkannt und in ASME Section VIII geregelt – ist die doppelte Absicherung: Die Installation einer Berstscheibe direkt vor einem Sicherheitsventil in Reihe.

 

In diesem technischen Leitfaden gehen wir der Frage nach, warum diese Hybridkonfiguration der Goldstandard für Chemieanlagen ist und welche wichtigen Installationsvorschriften Sie unbedingt beachten müssen.

 

Die 3 wichtigsten Vorteile der Reiheninstallation

1. Isolierung des Ventils von korrosiven Medien

Sicherheitsventile sind teure mechanische Bauteile. Bei Prozessen mit aggressiven Säuren (wie Salzsäure oder Schwefelsäure) korrodiert ein Standard-Sicherheitsventil aus Edelstahl schnell. Der Kauf eines massiven Tantal- oder Hastelloy-Ventils kann Zehntausende von Dollar kosten.

 

Durch die Anordnung einer Berstscheibe aus einer Speziallegierung vor einem Standard-Druckregelventil aus Kohlenstoffstahl dient die Scheibe als Opferschicht. Die empfindlichen Innenteile des Ventils bleiben vollständig trocken und sauber. Das Druckregelventil ist der korrosiven Flüssigkeit nur wenige Sekunden lang im Falle eines tatsächlichen Überdruckereignisses ausgesetzt, bevor es sich wieder schließt.


Rupture Disk


2. Erreichen von null flüchtigen Emissionen

Die EPA und internationale Umweltbehörden verhängen hohe Strafen für die unbeabsichtigte Freisetzung flüchtiger organischer Verbindungen (VOCs) und giftiger Gase. Da Druckregelventile (PRVs) auf einer metallischen Dichtung basieren, können sie prinzipiell geringe Gasmengen in die Atmosphäre abgeben. Eine Berstscheibe bildet eine massive, undurchlässige Barriere. Ihre vorgelagerte Installation garantiert eine hundertprozentig luftdichte Abdichtung und gewährleistet somit die vollständige Einhaltung der Umweltauflagen im Normalbetrieb.

 

3. Verhinderung von Polymerisation und Verstopfung von Ventilen

Hochviskose oder zur Kristallisation neigende Flüssigkeiten (wie Polymere, Harze oder Sirupe) können die beweglichen Teile eines Druckregelventils leicht verstopfen. Die feste Membran einer Berstscheibe verhindert, dass diese klebrigen Substanzen in die Ventildüse gelangen und gewährleistet so die einwandfreie Funktion des Ventils im Bedarfsfall.

 

Die goldene Regel des ASME-Codes: Belüftung des Hohlraums

Die Reihenschaltung ist zwar sehr effektiv, führt aber zu einer gefährlichen neuen Variable. Gemäß ASME Boiler and Pressure Vessel Code (BPVC), Abschnitt VIII, Division 1, ist es nicht zulässig, eine Scheibe und ein Ventil einfach miteinander zu verschrauben und die Sache damit abzuhaken. Der Zwischenraum zwischen ihnen muss berücksichtigt werden.

 

Die Gefahr des Gegendrucks im Zahnhohlraum

Stellen Sie sich vor, in Ihrer Berstscheibe entsteht durch Korrosion ein winziges Leck. Das Prozessgas dringt langsam in den kleinen Hohlraum zwischen der Scheibe und dem geschlossenen Druckregelventil ein. Mit der Zeit gleicht sich der Druck in diesem Hohlraum dem Systemdruck an.

 

Denken Sie daran: Eine Berstscheibe platzt nur bei einem Differenzdruck. Befindet sich Ihr Behälter bei 100 PSI und der Hohlraum zwischen Berstscheibe und Ventil ebenfalls bei 100 PSI, ist die Differenz null. Die Berstscheibe platzt nicht, und Ihr Behälter explodiert.

 

Die verräterische Montagelösung

Um den ASME-Vorschriften zu entsprechen, muss der Hohlraum zwischen der Scheibe und dem Druckregelventil entlüftet werden. Dies wird üblicherweise mithilfe einer Kontrollbaugruppe (auch bekannt als Entlüftungsventil, Manometer oder Überströmventil) erreicht.

 

Diese kleine Öffnung überwacht permanent den Raum zwischen den beiden Bauteilen. Sollte die Berstscheibe ein Mikroleck aufweisen, leitet die Kontrollvorrichtung den Druck entweder sicher an einen geschützten Ort ab oder löst über einen Druckschalter einen Alarm aus. Dadurch wird sichergestellt, dass der Hohlraum unter Atmosphärendruck bleibt und die Berstscheibe exakt beim Nenndruck platzt.

 

Die richtige Festplatte für den jeweiligen Zweck auswählen

Beim Einbau einer Berstscheibe vor einem Ventil muss eine nicht-fragmentierende Berstscheibe verwendet werden. Standardmäßige, vorwärtswirkende Berstscheiben mit Nut oder rückwärtswirkende Berstscheiben sind zwingend erforderlich. Wird eine Berstscheibe verwendet, die zersplittert (z. B. aus Graphit), beschädigen die umherfliegenden Bruchstücke den inneren Sitz des Druckregelventils und verhindern so dessen Schließung nach dem Bersten.

 

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